Dörthe Ludwig hat in Dresden die Aufgabe „Majestätische Steine“ angelegt, welche wir hiermit zur neuen Aufgabe der Woche küren. Im Interview beschreibt Dörthe Ludwig, wie sie mit Hilfe von MathCityMap ihre Tochter für Mathe begeistern konnte.

Wie sind Sie auf das MathCityMap-Projekt gestoßen? Wie nutzen Sie MCM und warum?

Ich bin Lehrerin an einer Oberschule und besuche an der TU Dresden eine berufsbegleitende 4-semestrige Fortbildung „Mathematik für Seiteneinsteiger“. In einem Didaktik-Seminar wurde uns in einem Vortrag u.a. auch das MCM-Projekt vorgestellt.

Da meine Tochter (3. Klasse) gerade in einem Mathe-Tief steckte, haben wir gemeinsam nach Aufgaben gesucht, die „auf der Straße liegen“. Wir wollen nun eine Route erstellen, die sie mit ihren Freunden gemeinsam lösen kann (und möglichst viele andere auch). Sie freut sich schon!

Beschreiben Sie ihre Aufgabe. Wie kann diese gelöst werden?

Es geht in der Aufgabe darum, die Anzahl an Pflastersteinen auf einem bestimmten Parkplatz (der Majestät) an der Grundschule geschickt zu ermitteln. Die Steine liegen so, dass es eine einfache Multiplikationsaufgabe ergibt, jedoch erfordert sie die Multiplikation über das kleine 1×1 hinaus. Man kann die Anzahl also einfach berechnen, oder aber die Aufgabe in Teilaufgaben zerlegen, die man im Kopf rechnen kann. Man darf dann nur die Addition der Teilergebnisse nicht vergessen.

Welche didaktischen Ziele verfolgen Sie mit der Aufgabenstellung?

Ehrlich gesagt lag mein didaktisches Ziel vor allem darin, meiner Tochter zu zeigen, dass Mathematik auch dann Spaß machen kann, wenn man die Lösung nicht direkt sieht, sondern sich ein wenig dafür anstrengen muss. Es scheint geglückt zu sein! Ich hoffe natürlich, dass auch viele weitere Kinder einfach Freude am Lösen der Aufgabe haben und am Ende stolz auf sich sind!

Weitere Anmerkungen zu MCM?

Ich bin begeistert und werde versuchen die Aufgabenlücke in Dresden ein wenig zu schließen. Auch meine Schüler möchte ich gerne an die frische Luft holen und zukünftig ein paar Aufgaben rund um unsere Schule erstellen.

Unsere neue Aufgabe der Woche liegt im Großherzogtum Luxemburg! In Schifflange hat Yves Kreis, Dozent an der Universität Luxemburg, die Aufgabe „Fenster“ angelegt. Im Interview berichtet er über den Einsatz von MathCityMap im Rahmen seiner Universitätslehre.

Hallo Yves, Sie setzen MathCityMap für Ihre Lehre an der Universität Luxemburg ein. Wie funktioniert das genau?

MCM wurde im Januar in Linz auf der Konferenz „Pedagogical Innovations in STEAM Education Conference” von Gregor Milicic aus dem Frankfurter MathCityMap-Team vorgestellt. Mein Arbeitskollege Ben Haas und ich fanden das Projekt direkt interessant. Als wir dann gezwungen wurden unsere Evaluation wegen der COVID-19 Pandemie zu ändern, haben wir uns für die Ausarbeitung eines MCM-Trails in Gruppen von 2-3 Studierenden mit anschließender Selbst-Evaluation und einem Peer-Review von 3 Trails von anderen Studierenden entschlossen.

Auch selbst haben Sie einige Beispielaufgaben angelegt. Beschreiben Sie Ihre Aufgabe „Fenster”. Wie kann diese gelöst werden? Worauf zielt die Aufgabe ab?

Bei der Aufgabe muss die Anzahl an quadratischen Fenstern eines gläsernen Liftturms bestimmt werden. Auf einer Seite sind 2 Reihen à 12 Fenster. Nur 3 Seiten sind aus Glas; die vierte Seite ist das Schulgebäude. Demnach sind es 3 ⋅ 2 ⋅ 12 = 72 quadratische Fenster. Die Aufgabe ist ab Klasse 3 für alle Schüler lösbar. Ziel ist es, dass die Kinder die Muster erkennen und multiplikative Strukturen nutzen anstatt einfach alle Fenster zu zählen.

Haben Sie weitere Anmerkungen zu MCM?

MCM hat es geschafft eine alte Idee (mathematische Trails) in das heutige digitale Zeitalter zu transferieren. Eine Verbindung zu AR (z.B. GeoGebra 3D Calculator) wäre aus meiner Erfahrung sehr sinnvoll, da viele Studierende solche Aufgaben geplant haben.

Weitere Infos zur Nutzung von MathCityMap in Luxemburg:

Interview mit Lorenzo Salucci, dem 5.000 MathCityMap-User & Studierender an der Universität Luxemburg

Unsere neue Aufgabe der Woche führt uns in die Steiermark, genauer gesagt nach Graz. Hier haben Rosina Haider und Ursula Skrabitz einige interessante MathCityMap-Aufgaben angelegt. Frau Haider, Professorin an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Graz, beantwortet uns einige Fragen zu MathCityMap.

Wie sind Sie auf das MathCityMap-Projekt gestoßen?

Im Rahmen der Tagung „Forschen. Lernen. Lehren an öffentlichen Orten“ in Münster hatte ich die Möglichkeit, MCM praktisch erproben zu können. Wieder zuhause ist es mir gelungen, auch bei meiner Kollegin das Interesse zu wecken.

Wie nutzen Sie MCM und warum? 

Wir nutzen MCM im Rahmen der Lehre an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Graz. Die Studierenden für das Lehramt Primarstufe bekommen die Möglichkeit, einen Trail zu absolvieren und bekommen im Anschluss daran den Auftrag, in der Gruppe selbst Aufgaben und, im besten Fall, einen Trail zu erstellen. Zudem werden die Aufgaben im Mathematikunterricht an der der Hochschule angeschlossenen Praxisvolksschule genutzt.

Beschreiben Sie ihre Aufgabe. Wie kann diese gelöst werden?

Die Aufgabe „Parkbänke aus Holzlatten“ besteht zum einen darin, die Anzahl von Holzlatten von Parkbänken, die an einer bestimmten Stelle im Campus Augustinum stehen, zu bestimmen. Sowohl die Sitzplätze als auch die Lehnen der Bänke sind aus lamellenartig angeordneten Holzlatten angefertigt. Die Kinder haben die Möglichkeit, die Anzahl der Holzlatten auf eigenen Wegen zu ermitteln (zuerst die Anzahl der Latten einer Bank oder zuerst die Anzahl der Bänke, …). Zum anderen soll noch die Länge einer fiktiven Holzlatte errechnet werden, die sich aus der gedachten Aneinanderreihung aller Holzlatten der Länge nach ergibt.  

Welche didaktischen Ziele verfolgen Sie mit der Aufgabenstellung? 

Die Schülerinnen und Schüler 

  • … können selbstständig und auf individuellen Wegen die Anzahlen der Holzlatten ermitteln, 
  • … können Additionen und Multiplikationen im Kopf, halbschriftlich oder schriftlich im Zahlenraum 1000 durchführen, 
  • … können mit der Einheit Meter rechnen und 
  • … sind in der Lage, autonom oder mit Hilfe der schrittweise abrufbaren Hinweise im Lösungsprozess voranzuschreiten und den Lösungsprozess zu Ende zu führen.

Weitere Anmerkungen zu MCM?

Wir sind begeistert und wissen schon jetzt, dass das nicht der letzte von uns erstellte Math-Trail im Rahmen von MCM sein wird. 

Unsere neue Aufgabe der Woche führt uns in die Vereinigten Staaten. Auf dem Campus der University of California Santa Cruz hat die Doktorandin für Mathematikdidaktik Julianne Foxworthy die Aufgabe „So many stairs!“ (dt.: So viele Stufen) erstellt.

Wie sind Sie auf das MathCityMap-Projekt gestoßen?

Ich habe die App für mich entdeckt, als ich im vergangenen Jahr Iwan Gurjanow [MCM-Team der Goethe-Universität Frankfurt] auf der PME-Jahrestagung in Schweden kennenlernte. Ich lehrte Mathematik für 10- bis 13-Jährige SchülerInnen und nutzte dabei auch Mathtrails, allerdings ohne technische Unterstützung. Die SchülerInnen waren begeistert!

Wie nutzen Sie MCM?

Den “MBAMP Math Trail“ (bzw. die Aufgabe “So many stairs!”) habe ich im Rahmen eines Fortbildungsprogramms für Grundschullehrer entwickelt. Die Lehrkräfte waren allesamt sehr an der Nutzung von Mathtrails im Unterricht interessiert. In Zukunft möchte ich eine Reihe von Mathtrails für verschiedene Altersstufen an der berühmten Strandpromenade von Santa Cruz erstellen – seien Sie gespannt!

Beschreiben Sie Ihre Aufgabe. Wie kann sie gelöst werden?

“So many stairs!” ist eine relativ einfache Aufgabe, die ich für Grundschulkinder erstellt habe. Die Frage lautet, wie viele Stufen du und zwei deiner Freunde nehmen müssen, wenn ihr ein Wettrennen vom Ort des Fotos zur Tür der Bibliothek macht.

Die Problemlösenden müssen die Anzahl der Stufen zur Bibliothek zählen und anschließend – das wird der schwierige Part für die ganz Kleinen – herausfinden, wie viele Stufen sie und ihre Freunde gemeinsam gelaufen sind.

Während in den vergangenen Wochen häufig Aufgaben vorgestellt wurden, die ab der Sekundarstufe 1 gelöst werden können, zeigt die heutige Aufgabe der Woche, dass das MathCityMap Projekt bereits ab der Primarstufe eingesetzt werden kann.


Aufgabe: Fensteranzahl (Aufgabennummer: 1191)

Wie viele Fensterscheiben sind auf dieser Häuserfront zu sehen?


Um die Aufgabe zu lösen, ist es möglich die Fensterscheiben zu zählen. Jedoch dauert dies lange, sodass die SchülerInnen bestenfalls auf die Idee kommen nur die Scheiben in einer Reihe sowie die Anzahl der Reihen zu zählen und die Aufgabe mittels einer Multiplikation zu lösen. Dabei wird die Grundvorstellung der Multiplikation als wiederholte Addition angesprochen. Zudem müssen die SchülerInnen beachten, dass nach der Anzahl der Scheiben und nicht der Fenster gefragt wird. Für ein Fenster müssen also drei Scheiben eingerechnet werden, sollten die SchülerInnen zunächst die Anzahl der Fenster zählen.

Die Aufgabe ist in den Themenbereichen Multiplikation, Zahl und Anzahl einzuordnen und kann ab Klasse 4 gelöst werden.